Sonntag, 9. September 2007
WANTED!


Nun bin ich schon fast zwei Wochen hier in Shanghai und ich muss sagen: Es gefällt mir von Tag zu Tag besser!
Diese Woche gab es leider einen etwas unschönen Zwischenfall... Gestern gegen zwei Uhr nachmittags wurde mir im Volkspark mein Portemonnaie gestohlen, daher auch der Titel dieses Eintrags: WANTED! Wenn jemand von euch einen Chinesen gesehen hat, etwa 1,70m groß, schwarze Haare und Schlitzaugen, er war‘s!!! Bitte sofort bei mir melden!
Im ersten Moment war der Schreck groß, da auf einmal alle meine Kreditkarten, mein Personalausweis, mein Wohnungsschlüssel etc. weg waren. Aber um der Sache auch etwas Positives abzugewinnen muss ich sagen, dass die Chinesen ein sehr hilfsbereites Volk sind. Ein älterer Herr, der den Vorfall beobachtet hat, und eine junge Chinesin haben mir sofort ihre Hilfe angeboten und die Polizei verständigt. Mir muss wohl jemand in die Handtasche gegriffen haben, als mich sein Komplize fast über den Haufen gerannt hat. Auf der Polizeiwache gab es Gott sei Dank einen Polizisten, der sehr gut Englisch sprechen konnte und die Sache somit wesentlich erleichtert hat. Nachdem nun die Anzeige aufgenommen war, die Kreditkarten mit Hilfe meiner Eltern und meines Bruders innerhalb kürzester Zeit gesperrt waren und der Wohnungsschlüssel (eine Karte, auf der sowohl die Adresse als auch die Appartementnummer steht) deaktiviert wurde, wurde ich dann auch langsam etwas ruhiger. Nun warte ich gespannt darauf, ob wenigstens von meinen Dokumenten wie Personalausweis oder Führerschein welche bei der Polizei abgegeben werden. Was ich dann doch etwas beunruhigend fand war die Aussage des Polizisten „Das ist nichts ungewöhnliches, dass sind solche Jugendbanden, die schon ziemlich professionell sind. Solche Vorfälle gibt es am Tag bestimmt 10 bis 15 Stück.“ Na toll, dann werde ich mein neues Portemonnaie von nun an wohl lieber zu Hause lassen und mir lediglich etwas Geld in die Hosentasche stecken...
Der Rest der Woche hätte dafür aber nicht besser laufen können. Die Arbeit bei arvato macht mir sehr viel Spaß und ich habe sehr interessante Aufgaben bekommen, die ich zum größten Teil komplett selbstständig bearbeiten darf. Eine echte Herausforderung! Die Kollegen sind alle sehr nett und haben mich ganz toll aufgenommen, und nachdem nach den ersten beiden Tagen die kleinen Startschwierigkeiten beseitigt waren (wie beispielsweise, dass alle Programm inklusive Microsoft Office und Windows nur auf Chinesisch vorhanden waren), konnte ich dann am Mittwoch richtig loslegen. Ich freue mich schon auf die nächsten Wochen und meine neuen spannenden Aufgaben! Außerdem habe ich erfahren, dass die erste Oktoberwoche auf Grund des Nationalfeiertages der Chinesen komplett frei ist, so dass ich nun schauen möchte, ob ich mir in dieser Zeit ein wenig vom Rest des Landes anschauen kann. Es ist allerdings sehr schwierig, in dieser Zeit noch eine Unterkunft oder einen bezahlbaren Flug zu finden.



Trotz der Arbeit und des Sprachunterrichts habe ich noch die Gelegenheit, mir ein wenig von der Stadt anzuschauen. Diese Woche habe ich mir den traditionellen Teil Shanghais, die alte Chinesenstadt, vorgenommen. Hier bekommt man einen wunderbaren Einblick, wie es früher in China ausgesehen haben muss. In diesem Teil der Stadt fahren keine Autos und an den Gässchen reihen sich Häuser im klassischen chinesischen Stil aneinander. In den Läden kann man sehr viele traditionell chinesische Produkte kaufen, aber natürlich dürfen auch Starbucks und McDonalds nicht fehlen (wie überall in Shanghai). Im Zentrum dieses Stadtteils befindet sich ein Teich mit einem Teehaus in der Mitte. Die Neun-Biegungen-Brücke, die zu diesem Teehaus hinführt, dürfte wohl eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Shanghais sein. Da es dort am Sonntag extrem voll war, konnte ich leider keinen Tee trinken. Das werde ich aber auf jeden Fall nachholen!



Direkt an die chinesische Altstadt schließt sich der Yu Garten an, ein wunderschöner Park, der früher als Privatgarten eines reichen Beraters des Kaisers angelegt wurde. Hier findet man noch zahlreiche alte Tempel, Teiche und Skulpturen in dem Stil, in dem ich mir das traditionelle China zu Hause vorgestellt habe. Da man für diesen Garten 40 Yuan (also etwa 4 €) Eintritt zahlen muss, war es hier ausnahmsweise sehr schön leer und man konnte die Anlagen in vollen Zügen genießen.



Besonders in Bezug auf Europäer und Amerikaner sind die Chinesen sehr zuvorkommend und sehr besorgt, dass ein falscher Eindruck ihres Landes entstehen könnte. Aus diesem Grund versuchen sie alles, um einem den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Ein sehr schönes Beispiel dafür finde ich das folgende Bild. Mitten auf einem Felsen im Garten steht ein Schild mit der Aufschrift „Caution, wet floor“. Dieses Schild wurde aber nicht aufgestellt, da die Steine wegen des Teiches nass sein könnten, sondern weil hier unmittelbar vorher frisch gewischt worden ist.



Allerdings macht es sich auch hier wieder bemerkbar, dass vieles mehr Schein als Sein ist. Im touristischen Zentrum der Altstadt, welche auch in allen Reiseführern beschrieben wird, sind alle Häuser sehr schön restauriert und alles ist sehr sauber. Schaut man sich aber eine Straße in unmittelbarer Nähe an, welche nicht zu den üblichen Touristenpfaden gehört, wird einem gleich wieder vor Augen geführt, das China in weiten Teilen doch ein sehr armes Land ist und es noch eine Menge zu tun gibt. Das Foto unten habe ich in einer Straße aufgenommen, die zu Fuß nur etwa zwei Minuten entfernt vom Yu Garten ist.



Dadurch wird wieder deutlich, dass Shanghai eine Stadt voller Gegensätze ist, aber gerade das macht sie so faszinierend und reizvoll. In den nächsten Wochen werde ich noch auf viele Entdeckungsreisen in Shanghai und der Umgebung gehen und euch dann an dieser Stelle davon berichten.

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